Ältere Menschen mit niedrigen Einkommen, kleiner Rente stehen mitunter auf der Schattenseite unserer Gesellschaft. Oft wohnen Sie in zu teuren Wohnungen, die für sie eigentlich auch zu große sind. Hier hat der LC Rastatt die Initiative ergriffen und bietet bedürftigen älteren Menschen eine bezahlbare Wohnung im Lions-Wohnstift Rastatt an.

Das Lions-Altenwohnstift Rastatt stellt wegweisend seit 1975 nicht nur preisgünstige 1- und 2-Zimmerwohnungen mitten in der Stadt für ältere Mitmenschen zur Verfügung. Es schafft eine Stätte der Begegnung, einen Platz für Gemeinschaft, einen Ort der Geborgenheit und für viele ein neues Zuhause.

Regelmäßig bringen sich die Mitglieder des LC Rastatt persönlich im Lions-Wohnstift ein. So findet  im Dezember jährlich eine Adventsfeier mit Programm und selbstgemachtem Essen statt. Am schmutzigen Donnerstag feiern die Bewohner und Clubmitglieder mit großem Programm und tatkräftiger Hilfe der GroKaGe Rastatt Fasching.

Lionsstift Rastatt

Wie es zu dieser Activity kam…

Ende der 1960er Jahre wollte der damalige Oberbürgermeister der Stadt Rastatt, Prof. Dr. Richard Kunze, Gründungsmitglied des LC Rastatt, im städtischen Altersheim bei einer Weihnachtsfeier zufrieden feststellen, dass „die Leute hier ja bestens versorgt und zufrieden“ sind. Er erntete damit bei der Heimleiterin einerseits Zustimmung ob der guten Unterbringung der alten Menschen durch die Stadt, andererseits auch massiven Widerspruch: „Für viele hier sind wir gar nicht der richtige Ort, weil sie sich noch selbst versorgen können und auch wollen; sie nehmen denen den Platz weg, die tatsächlich auf fremde Hilfe und Versorgung angewiesen sind.“ Diese forsche und überraschende Antwort seiner Mitarbeiterin ließ den Oberbürgermeister nicht mehr los. Er entwickelte im Lions Club Rastatt die Idee, als Groß-Activity ein Wohnheim für alte Menschen zu bauen und zu betreiben.
Seine Idee wurde im Club diskutiert, im kleinen Kreis bei den Stammtischen beredet, war dann mehrfach Gegenstand heftiger Diskussionen an Clubabenden, wurde immer mehr durchgedacht. Nach und nach hielt die Mehrzahl der Club-Mitglieder den Vorschlag für realisierbar, gerade auch die jungen Lions-Freunde machten sich dafür stark. Schließlich wurde der Bau eines Wohnheims vom Club förmlich als Activity beschlossen.
Einigkeit bestand bei allen Clubmitgliedern darüber, dass Activity in einem Lions Club getreu der Devise „We serve“ wesentlicher Teil des Clublebens sein muss. Trotzdem fiel gar manchem die Zustimmung nicht leicht, denn die zu erwartenden Kosten in Höhe von 5 – 7 Mio. DM erschreckten viele. Der Gedanke an eine etwaige Nachschusspflicht – der Club hätte es sich niemals leisten können, das Vorhaben notleidend werden zu lassen – trug auch nicht gerade zur Beruhigung bei.
Aber auf der anderen Seite konnten die Verfechter des Plans darauf verweisen, dass es wenige Bauherren gab, die über soviel Sachverstand verfügten: das technische know-how sowohl bei der Planung als auch bei der Bauausführung, die genaue Kenntnis der Einzelheiten und Kniffe bei der Finanzierung, beste Beziehungen zu den Kreditinstituten und den staatlichen und kommunalen Stellen, die Zuschüsse gewährten oder ein Mitspracherecht hatten, und nicht zuletzt und ganz entscheidend der unmittelbare und direkte Draht zur Stadt Rastatt, die durch die Schenkung des Baugrundstücks im damaligen Wert von etwa DM 700.000 den hochfliegenden lionistischen Plänen festen Boden unter die Füße gab.
Weitere wichtige Voraussetzung war die Bereitschaft der Clubmitglieder zu einer Activity-Spende von „10 % des Jahreseinkommens“ als Grundlage für die Finanzierung der Baukosten. Dem Club war damit die „Messlatte“ gegeben, die das weitere Clubleben zukünftig bestimmen sollte. Jahr für Jahr erbringen auch heute noch die Clubmitglieder mit der jährlichen Activity-Spende einen großen Zuwachs im Spendentopf als Grundlage für weitere Activities, und neue Mitglieder sind auch zu dem „Entrée“ bereit, das sich aus dieser Tradition heraus entwickelt hat.

Schon bei der Feier seines 10-jährigen Bestehens am 15. April 1972 überreichte der Club der Stadt Rastatt eine Stiftungsurkunde, in der der Club das geplante Vorhaben ankündigte. In der Folgezeit wurden die Grundlagen erarbeitet, die zur Gründung einer eigenständigen Stiftung des Clubs führten. Am 9. Februar 1973 wurde im Rastatter Rathaus von sechs vom Club beauftragten Lions-Freunden eine Stiftungssatzung unterzeichnet, die dann auch am 27. Juni 1973 das – sogenannte – Stiftungsgeschäft übernahmen und damit die Stiftung Lions-Altenwohnstift Rastatt – Gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts – mit Sitz in Rastatt gründeten. Am 24. September 1973 wurde die Stiftung formell vom Land Baden-Württemberg genehmigt.

Zu ihrer Aufgabe und ihrem Zweck hieß und heißt es heute noch in der Stiftungssatzung:
„Zweck der Stiftung ist die Errichtung und der Betrieb eines Altenwohnheims, in dem vor allem minderbemittelten alten Personen preisgünstiger Wohnraum zur Verfügung gestellt wird. Die Stiftung ist berechtigt, für den gleichen Personenkreis auch ein Altersheim und ein Altenpflegeheim zu errichten und zu betreiben. Sie darf ferner auch in anderer Weise alten, hilfsbedürftigen Menschen helfen.“
Damit war der LC Rastatt seiner Zeit voraus. Schon Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts hatten die Initiatoren dieser außergewöhnlichen Activity im Club die Probleme erkannt, die mit dem Älterwerden der Menschen auf unsere Gesellschaft massiv zukommen. Die später folgenden Diskussionen um die Altenbetreuung, die Altenpflege und das altengerechte Wohnen bestätigt im nachhinein auf frappierende Weise die Richtigkeit des damals eingeschlagenen Weges. Und schließlich wird mit diesem Altenwohnheim auch ein Beitrag zur Lösung der allgemeinen Wohnungsprobleme geleistet, denn die meisten Bewohner geben, wenn sie in das Lions-Altenwohnstift Rastatt einziehen, in der Regel eine Wohnung auf, die ihnen zu groß geworden ist.
Im Oktober 1975 wurde das Altenwohnstift mit 81 (heute 84) Ein- und 22 Zweizimmer-Wohnungen von der damaligen Sozialministerin des Landes Baden-Württemberg Annemarie Griesinger eingeweiht. Schon bei der Einweihung waren alle Wohnungen bereits belegt.
Die reinen Baukosten beliefen sich auf über 6,0 Mio. DM, die Außenanlagen auf ca. 219.000 DM, für Inventar und sonstige geringwertige Wirtschaftsgüter wurden ca. 80.000 DM aufgewendet. Sie wurden finanziert mit z.T. zinsgünstigen Darlehen aus öffentlichen Mitteln, des Landeswohlfahrtsverbandes, der Badischen Landesbausparkasse und der ortsansässigen Bezirkssparkasse sowie zweck-gebundenen Zuschüssen des Landes Baden-Württemberg und des Landkreises Rastatt. Die für ein solches Projekt aber erforderlichen Eigenmittel wurden mit über 500.000 DM durch unmittelbare Spenden-Activities des Lions Clubs Rastatt aufgebracht: die eigentliche Start-Activity der Mitglieder des Lions Clubs Rastatt mit einem guten Bruchteil ihres Jahreseinkommens ergab ein Startkapital von über 200.000 DM. Hinzu kamen in der Bauphase Sachspenden von Clubmitgliedern in Höhe von ca. 170.000 DM z.B. durch Verzicht auf Architekten- und sonstige Honorare und als Spenden erbrachte Bau- und Baunebenleistungen. Gleichzeitig waren die Mitglieder des Clubs damit betraut, bei Firmen und sonstigen in Betracht kommenden Einrichtungen für das große Vorhaben zu werben und um Spenden anzugehen. Diese Aktion brachte weitere ca. 130.000 DM an Geld- und Sach-spenden von Handwerkern, Geschäftsleuten, aus dem Bankenbereich und von kirchlichen und sonstigen caritativen Einrichtungen in den großen Topf. Und schließlich kamen in den folgenden bis Anfang der achtziger Jahre in Form von Geld- und Sachspenden seitens der Mitglieder, vor allem auch bei Neuaufnahmen, auf diese Weise ca. weitere 100.000 DM hinzu. Das Lions-Altenwohnstift Rastatt trägt sich seit Jahren, nachdem in den Anfangsjahren noch Spenden der Clubmitglieder zum Ausgleich der Bilanz beigetragen hatten.
Der Club führt von Anfang an dieses Wohnstift als Daueractivity, natürlich ehrenamtlich durch die jeweiligen Vorstandsmitglieder. Die Stiftung steht unter der Aufsicht des Regierungspräsidiums Karlsruhe, die Bilanz wird alljährlich vom Rechnungsprüfungsamt der Stadt Rastatt geprüft.
Die Leitung des Wohnstifts obliegt nach der Satzung der Stiftung dem siebenköpfigen Stiftungsvorstand. Er besteht aus vier Mitgliedern des Lions Clubs Rastatt, die vom Club jeweils auf die Dauer von 4 Jahren bestellt werden, den jeweiligen Präsidenten und Vizepräsidenten des Clubs sowie dem Oberbürgermeister der Stadt Rastatt. Der Clubsekretär gehört dem Vorstand als nicht stimmberechtigtes Mitglied an.
Für das Tagesgeschäft steht dem Stiftungsvorstand ein Verwaltungsleiter in Teilzeitbeschäftigung zur Verfügung. Ansonsten kümmert sich der Club um das wohl der Bewohner seines Altenwohnstifts durch gesellschaftliche Veranstaltungen. Die „Weihnachtsfeier“ in der Adventszeit hat von Anfang an große Tradition, ausgerichtet von den Clubmitgliedern und ihren Damen, Ausflüge und Sommerfeste für die Bewohner tragen zur Unterhaltung bei.
Bereits im Vorfeld seiner Verwirklichung erfuhr das Vorhaben des Lions Clubs Rastatt allgemeine Anerkennung. Viele Firmen und Bürger folgten dem Spendenaufruf des Clubs, weil sie sich von der Notwendigkeit des Stifts überzeugen ließen und in den Träger der Einrichtung volles Vertrauen setzten. Für Leute, die die lokale Szene kannten, war es manchmal erstaunlich, wer alles geholfen hat. Dass die Presse während der Bauphase und über die Einweihung landauf landab berichtete, war nicht erstaunlich, denn eine solche Privat-Initiative gibt es doch nicht alle Tage. Auch die Zeitschrift „Der Lion“ würdigte das Projekt in einem umfassenden Bericht.
Eine besondere Würdigung erfuhr der Lions Club Rastatt in den Gründungsjahren des Stifts vom damaligen Internationalen Präsidenten von der Lions Organisation Georges Friedrichs aus Annemasse, als dieser bei seinem Besuch in Rastatt erklärte, dass nach seinen Feststellungen das Lions-Altenwohnstift Rastatt weltweit in allen Service-Organisationen die größte Activity eines einzelnen Clubs, also einen Weltrekord, darstelle. Dabei war Georges Friedrichs besonders davon beeindruckt, dass der Lions Clubs Rastatt die Geschäftsführung der neuen Einrichtung selbst in der Hand behielt und nicht einem Wohlfahrtsverband überließ.
Wenn man über das Echo spricht, das das Lions-Altenwohnstift Rastatt ausgelöst hat, ist eigentlich das Wichtigste die Feststellung, dass in all den Jahren seines Bestehens aus den Reihen der Bewohner nur Dank und Anerkennung kamen. Viele haben schon bekundet, dass sie noch nie so schön gewohnt hätten wie jetzt in ihrem Alter im Lions-Altenwohnstift Rastatt.